Donnerstag, 28. März 2013

"Der Schwarm" von Frank Schätzing

Inhalt:
Überall auf der Welt geschehen merkwürdige Dinge. Meeresbewohner handeln nicht arttypisch. In vielen Fällen werden Menschen gezielt angegriffen. Der Wissenschaftler Sigur Johanson wird von einer Freundin in der Offshore-Gesellschaft gebeten, einige Würmer an den Kontinentalhängen zu untersuchen. Es handelt sich um eine neue Spezies. Auf der anderen Seite der Welt, in Kanada, beobachtet der Meeresbiologe Leon Anawak das merkwürdige Verhalten von Walen.

Cover:
Dieses Auge wirkt sehr bedrohlich. Passt gut zur Stimmung des Buch. Wäre auf jeden Fall ein etwas gewesen, das mich im Buchladen durch das Cover angezogen hätte. 

Erster Satz:
"An jedem Mittwoch erfüllte sich das Schicksal von Juan Narciso Ucanan, ohne dass die Welt Notiz davon nahm."

Meine Meinung:
Erzählt wird in der dritten Person. Vor jedem Kapitel steht das Datum (welches ich irgendwie immer in Büchern ignoriere -  kann mir das einfach nicht merken), der Ort und das Land der jeweiligen Handlung. Letzteres wiederum war sehr hilfreich für mich.
Der Autor verknüpft viele Handlungsstränge miteinander. Das macht er wirklich sehr geschickt, keine Frage. Jeder Sachverhalt wird intensiv beschrieben und erklärt. Das immerhin so genau, dass ich mich nach dem Lesen fast wie ein Fachmann fühle :) Ich gehe davon aus, dass allein die Recherche zu diesem Buch unglaublich viel Zeit und Mühe in Anspruch genommen hat. Einige Fakten waren mir schon bekannt, viele andere jedoch nicht (ich meine, wer von euch kennt sich mit Tiefsee-Würmern aus? Ganz ehrlich!).
Es ist streckenweise auch wahnsinnig spannend. Da konnte ich das Buch überhaupt nicht aus der Hand legen, weil so viele schreckliche aufregende Dinge passieren. Insbesondere bei den Stellen im Buch, wo die Bedrohung sehr akut wird (halte das absichtlich etwas wage, will ja nich zu viel verraten...).

Die Protagonisten sind so ein Fall... Ich habe prinzipiell nichts gegen viele Charaktere. Allerdings sind in diesem Fall für meinen Geschmack ein wenig zu viele Personen involviert. Natürlich ist das vollkommen nachvollziehbar und auch logisch, dass bei einem weltweiten Naturereignis viele Wissenschaftler, Militärangehörige und auch Zivilisten beteiligt sind. Allerdings hatte der Autor sich zu jeder dieser (gefühlt) hundert Personen natürlich auch eine eigene Lebensgeschichte ausgedacht - die wollte er dem Leser leider nicht vorenthalten. Im Prinzip gibt es in dem Buch aber nur zwei Hauptcharaktere
 Sigur Johanson, ein Wissenschaftler aus Norwegen, und Leon Anawak, ein Meeresbiologe aus Kanada. Johanson ist mir von seiner Art her suspekt und unglaublich unsympathisch. Hach, eigentlich sitze ich am liebsten alleine in meiner Hütte, trinke überteuerten Wein und esse dazu erlesenen Käse... Merkwürdiger Typ! Allerdings auch wirklich intelligent. Er bringt die Handlung oft ins Rollen und hat entscheidende Ideen. 
 Leon Anawak ist mein absoluter Liebling im Buch. Ich habe mich immer gefreut, wenn das nächste Kapitel endlich wieder von ihm handelte. Der Wissenschaftler arbeitet neben seiner Tätigkeit im Institut für einen örtlichen "Whale-Watching"-Ausflugskipper. Er ist der Meinung, dass die Menschen die Wale nur dann wirklich retten und verstehen wollen, wenn sie diese auch zu Gesicht bekommen. Für ihn ist dies immer eine gute Gelegenheit, "seine" Wale zu beobachten und auch auf diese Weise weiter zu forschen. Privat hat er auch einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die für mich nie langweilig wurden.
Die sonstigen Charaktere sind mal mehr, mal weniger sympathisch. Bei einigen wandelte sich sogar das Bild, je mehr man über sie erfuhr. 

Zu den wissenschaftlichen Aspekten möchte ich nicht zu viel ausführen, weil das eigentlich schon zu viel verrät. Alles beginnt mit einem Fischer in Peru (dessen Lebensgeschichte selbstverständlich auch ganz genau erörtert wird), der sich weiter hinauswagt, als üblich. Als sein Netz untergeht, taucht er hinterher. Netze sind wahnsinnig wertvoll und wenn er seins verliert, kann er auch kein Geld mehr verdienen. Doch leider kommt er nicht mehr an die Oberfläche zurück - Fische lassen ihn nicht durch... Zwei Monate später wird bei Bohrungen für eine neue Ölplattform ein merkwürdiger Wurm entdeckt. Johanson wird um Mithilfe gebeten. Es handelt sich jedoch um eine neue Spezies. Währenddessen beginnen die Wale in Kanada, sich merkwürdig zu verhalten... Viele Wissenschaftler auf der ganzen Welt entdecken auf ihrem jeweiligen Fachgebiet plötzlich Anomalien. Doch dies alles ist nur der Anfang. Und die Auswirkungen für die Menschheit sind fatal.

Fazit:
Ein wirklich gutes Buch. Das muss ich definitiv sagen. Sehr gut recherchiert. Plausibel. Aber die Längen haben mich irgendwann nur noch angeödet. Ich hatte teilweise das Gefühl, der Autor faselt absichtlich, um das Buch künstlich in die Länge zu treiben. Die Story hätte locker 200 bis 300 Seiten kürzer auch erzählt werden können. Leider muss ich gestehen, einige Seiten überblättert zu haben. Mit dem Ende hätte er noch einiges rausreißen können, stattdessen wurde über "Partikel" palavert. Sorry, das hat mir dann gereicht...



Infos zum Buch:
Verlag: S. Fischer Verlag GmbH
Taschenbuch: 987
Genre: Umwelt-Thriller
ISBN-Nr.: 3-596-16453-2
Erschienen: 2004
Preis: 9,95 €
Zum Verlag: Fischer

Kommentare:

  1. Ui...das Buch habe ich auch noch auf meinem SUB liegen ....jetzt weiss ich gar nicht, ob ich das lesen mag ...

    Liebe Grüße
    Anett

    AntwortenLöschen
  2. Hey Ani,

    das tut mir Leid! Also wenn es dich beruhigt: Lia und meine Schwester fanden das Buch großartig! Die können meine Bewertung überhaupt nicht nachvollziehen. Vielleicht ist es ja total dein Fall. War ja auch nicht schlecht und (teilweise) sehr spannend! Nur eben nicht meins...

    Viele Grüße,
    Enni

    AntwortenLöschen
  3. Hi Ani,

    lass dir von Enni nichts erzählen! ;) Ich würde das Buch mit 4, wenn nicht sogar 5, Würmern bewerten, weil ich es einfach spannend fand. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das Buch ist raffiniert. Du solltest es bald mal lesen!
    Liebe Grüße
    Lia

    AntwortenLöschen
  4. ich würde mich dann mal ennis meinung anschließen ... 200 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet. ich fand das buch wirklich gut, aber die begeisterung meines freundes konnte ich dann doch nicht teilen ;o)

    AntwortenLöschen