Inhalt (ohne Spoiler):
Das Militär experimentiert mit einem Virus, das viele Krankheiten heilen und das Leben stark verlängern könnte. Das Projekt Noah. Hierzu werden Todeszellenkandidaten rekrutiert. Die Testpersonen verändern sich. Sind kaum noch menschlich, sehr sonnenempfindlich und ernähren sich von Blut. Doch sie heilen auch schneller und erkranken nicht.
Bald merken die Wissenschaftler, dass jüngere Probanden bessere Ergebnisse bieten könnten. Ein Kind muss her. Eines, das noch nicht im System gelandet ist. Amy Harper Bellafonte passt da perfekt...
Das Buch:
Am 08.06.2010 veröffentlichte der Autor Justin Cronin den ersten Teil seiner als Trilogie geplanten Passage-Roman-Reihe im Goldmann Verlag (Verlagsgruppe Randomhouse). Das Buch fasst insgesamt 1.020 Seiten und ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Das ganze Buch erstreckt sich über einen Zeitraum von circa hundert Jahren - also eine ziemlich lange Zeit.
Die Folgebänder "Die Zwölf" und "Die Spiegelstadt" sind ebenfalls bereits erschienen. So könnte die gesamte Trilogie am Stück gelesen werden (wenn man das gerne möchte).

Die Serie:
Kein Film wurde aus dem Material gemacht, sondern eine Serie. Macht bei der komplexen Story und der Länge des ERSTEN Teils durchaus Sinn, meiner Meinung nach. Bislang gibt es erst eine Staffel, welche 10 Folgen á 45 Minuten fasst. Die Serie läuft seit dem 08.01.2020 mittwochs bei Pro7 - aber immer gleich 3 Folgen auf einmal. So könnt ihr ab Folge 2 die Serie in der Pro7-Mediathek anschauen (ACHTUNG: Ich weiß nicht, wie lange die 2. Folge noch verfügbar ist!).
Mein heutiger Post bezieht sich nur auf die ersten 4 Folgen der Serie. (Den Rest schaue ich mir noch an).
In diesen Folgen wird zeitlich ungefähr bis Seite 243 (Kapitel 11) des Buches berichtet - allerdings gibt es SEHR viele Unterschiede.
Die Unterschiede (ACHTUNG: Spoiler sind geschwärzt - zum Lesen markieren):
Der größte Unterschied ist eigentlich, dass die Serie (in üblicher Manier) viel rührseliger und weniger brutal ist, als das Buch. So ist Amy viel älter, um mehr zu können, schlagkräftig, witzig, selbstbewusst und redseliger zu sein. Die Virals sind eigentlich nur Vampire, keine richtig gruseligen Monster. Der Grund, wieso das Virus überhaupt entwickelt werden soll, ist fast schon ethisch nachvollziehbar - nicht so, wie im Buch (was ich realistischer finde).
Die gravierendsten Unterschiede waren für mich:
Hintergrund der Versuche:
Buch = Heilung schwerer Krankheiten und verlängertes Leben. Vor allem das Militär ist interessiert daran, "Übermenschen" für den Kampfeinsatz zu erschaffen und beteiligt sich finanziell.
Serie = Eine mutierte Art der Vogelgrippe grassiert und droht, zur Pandemie zu werden. Das Experiment soll dies verhindern (klingt fast schon ehrenhaft).
Amy:
Buch = 6 Jahre. Spricht kaum. Kann irgendwie mit Tieren kommunizieren - es gab einen verrückten Vorfall im Zoo. Amy wurde direkt nach der Ankunft in der Einrichtung von Wolgast getrennt. Erst als sie nach der Injektion ins Koma fiel wurde Wolgast zu ihr gelassen.
Serie = 10 Jahre. Sehr clever und aufgeweckt. Lustig und lässt sich nicht verarschen. Sie verbringt einige Zeit mit Wolgast zusammen in der Einrichtung, während sie das Virus erhält. Darf sogar raus und kommuniziert mit Anthony Carter durch die Tür. (ist schon ein ziemlicher Unterschied, finde ich)
Patient Null - genannt Zero:
Buch = Todeszellenkandidat / Mörder Giles Babcock
Serie = Doktor Tim Fanning, der sich im Dschungel auf der Suche nach dem Virus infiziert hatte
Babcock:
Buch = s.vor - erste Testperson. Mörder.
Serie = Eine hübsche Frau namens Shauna Babcock (allerdings ebenfalls Mörderin und Todeszellenkandidatin). Elfte und vorletzte Testperson.
Agent Wolgast:
Kaum ein Unterschied erkennbar. Allerdings werden seine Gefühle Amy gegenüber in der Serie greifbarer als im Buch, finde ich. Er hat in der Serie sehr viel mehr Zeit mit ihr verbracht und noch intensiver versucht, sie zu retten.
Wolgasts Ex-Frau Lila:
Buch = nur eine Erwähnung und ein Telfonat. Sie ist neu verheiratet und erwartet ein Kind.
Serie = sie hilft Wolgast, mit Amy zu verschwinden und möchte das Experiment aufdecken.
Grey und die anderen Reinigungskräfte der Käfige:
Buch = medikamentös sterilisierte Pädophile, weil diese leichter zu bändigen sind.
Film = normale Männer, die auch auf die weibliche Gefangene reagieren.
Dr. Jonas Lear: Kein großer Unterschied für mich erkennbar - beide haben das Experiment gestartet, um ihre schwer kranke Ehefrau Elisabeth zu retten.
Amys Mutter:
Buch = lange Hintergrundgeschichte. Landet auf dem Strich und tötet in Notwehr einen jungen Mann. Gibt dann Amy in ein Kloster und verschwindet anschließend auf der Flucht vor der Polizei.
Serie = war drogenabhängig und starb an einer Überdosis.
Schwester Lacey:
Buch = eine Nonne, bei der Amy von ihrer Mutter zurückgelassen wird
Serie = eine ehemalige Nonne, die im Militär als Marine mit Wolgast gedient hatte
Anthony Carter:
Buch= Er wirkte etwas zurückgeblieben, aber unschuldig. Sein späteres "Opfer" hatte ihm einen Job angeboten, als er um Geld gebettelt hat. Es war wohl ein Unfall: Sie sind zusammen in den Pool gefallen - wenn auch beinflusst von ihrer psychischen Verfassung... Amy hat ihn nie kennengelernt.
Serie = Er hatte ein Verhältnis mit seinem späteren "Opfer", die ihm erst später eröffnete, verheiratet zu sein. Sie hat sich vermutlich umgebracht - allein. Auch er ist eigentlich unschuldig. Amy hat viel Kontakt mit ihm durch die Tür, die ihre Zimmer trennt. Beide sind eine Art Brieffreunde geworden.
Dr. Tim Fanning:
Buch = Ich konnte mich gar nicht an ihn erinnern, aber er war bei der Expedition im bolivianischen Dschungel dabei! Ansonsten hatte er meines Erachten kene große Rolle gespielt - allerdings erwachte Grey einmal mit dem Gedanken "Ich hieß... Fanning" (Kapitel 9) bevor sich das zu Babcock wandelte - Vielleicht ein Spoiler durch die Serie?! Wird er in den Folgebänden wichtig?
Serie = Patient 0 - wurde direkt von einem Wirt infiziert. Treibende Kraft bei der Beeinflussung der Menschen und Virals. Fast wie deren Anführer.
Die Virals: Buch = kaum noch menschlich. Muskulöse Körper. Zähne spitz wie Zahnstocher, die mit lautem Klingen auf den Boden fallen, wenn sie Ihnen ausfallen um nachzuwachsen. Scharfe Klauenhände. Starke UV-Unverträglichkeit. Gelbe Augen. Leuchten im Dunkeln. Nackt. Können nicht sprechen. Können Menschen mental beeinflussen und ihnen Teile ihrer Vergangenheit in Träumen zeigen.
Serie = die erste Testperson hat stark ausgeprägte Adern, gelbe Augen und Vampirzähne. Je später die Testperson dem Virus ausgesetzt wurde, desto weniger stark sind die Veränderungen. Shauna Babcock sieht sehr menschlich aus, bis auf die Vampirzähne. Außerdem sind alle angezogen. Die Virals kommunizieren vor allem in Träumen mit den Menschen. Allerdings tun sie das auch ohne Träume in ihrer alten Gestalt - als eine Art Vision.
Essverhalten der Virals:
Buch = immer 10 Kaninchen, wobei nur 9 komplett zerfetzt werden. Das zehnte wird am Leben gelassen (hat auch einen tieferen Sinn)
Serie: Reines Blut in einem Trog (sehr viel weniger brutal)
Was ist besser:
Ganz klar das Buch. Aber das geht auch gar nicht anders, weil dort viel komplexer alle Themen aufgegriffen werden. Die Serie ist einfach nur grob an der Story orientiert. Es ist einfach keine Verfilmung, sondern lehnt am Buch an. Das Script der Serie unterscheidet sich einfach zu sehr vom Buch, um dort einen direkten Vergleich ziehen zu können.
Die Serie für sich gesehen ist wirklich nicht schlecht! Amy ist sehr sympathisch. Wolgast mochte ich in beiden Medien sehr. Lacey war mir im Buch viel lieber, aber offenbar wird diese Art für den Plot der Serie benötigt. Die Virals könnte man gar nicht so darstellen, wie im Buch beschrieben - außer mit krasser Computertechnik - und dann sieht das Ganze schnell billig aus. Also passt schon.
Als Leser stoßen einem nur die Unterschiede so auf - man muss sich besinnen, die beiden Medien unterschiedlich anzugehen.
Das Buch ist teilweise wirklich nicht so einfach zu lesen! Das gebe ich zu. Versuche, vielleicht noch ein kurzes Fazit o.ä. zu schreiben, um das zu erläutern - ABER es lohnt sich, finde ich!