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Sonntag, 8. Februar 2015

[Rezension] "Die Wahrheit meines Vaters" von Jodi Picoult

Inhalt:
Delia hatte eine wirklich schöne Kindheit. Ihr liebevoller Vater gab ihr alles, was sie brauchte. An ihre verstorbene Mutter konnte sie sich kaum erinnern. Bei ihrem Tod war sie erst vier Jahre alt. Nun hat sie selbst eine Tochter in diesem Alter und wird in Kürze deren Vater Eric heiraten.
Doch dann ändert sich plötzlich alles, als ihr bester Freund durch Recherchen für die Zeitung etwas herausfindet.  Delia heißt gar nicht so - sondern Bethany Mathews. Ihr eigener Vater hatte sie damals entführt, ihrer Mutter weggenommen. Für Delia bricht eine Welt zusammen. Einerseits liebt sie ihren Vater sehr, der nun einer Anklage wegen Entführung entgegensieht. Andererseits ist sie selbst Mutter - wie würde sie reagierten, wenn Eric ihr das Kind entzieht?

Cover:
Also ich mag es nicht. Ist mir zu nichtssagend.

Erster Satz:
"Ich war sechs als ich das erste Mal verschwand."

Meine Meinung:
Jodi Picoult hat einen wirklich sehr schönen Schreibstil. Dennoch entsprach dieses Buch weniger meinem Geschmack. Dazu später mehr. 
Erzählt wird aus vielen verschiedenen Perspektiven, wobei hier auch teilweise ein Wechsel der Erzählart erfolgt. Als Hauptprotagonistin kommt zunächst Delia in Betracht, wobei jedoch auch ihr Verlobter Eric sowie der beste Freund Fitz kaum  noch als Nebenprotagonisten dargestellt werden können. Die Erlebnisse dieser drei Personen werden in der Ich-Perspektive geschildert. Ausnahmen bilden die Eltern von Delia. Hier ist es, als würden beide einen Brief an Delia schreiben. Einer, der im Fall ihres Vaters hoffentlich niemals abgeschickt wird... Die Art hat mir wirklich gut gefallen.

Die Charaktere waren gut herausgearbeitet, jeder hatte sein Päckchen zu tragen. Aber so richtig mochte ich eigentlich niemanden. Mit Delia bin ich einfach überhaupt nicht warm geworden. Sie war für mich so uninteressant. Sie spürt mit ihrem Fährtenspürhund beruflich Vermisste auf. Das einzig besondere in ihrem Leben waren eigentlich "ihre" Männer, die anscheinend sehr viel mehr in der Frau sahen als ich... Ihr Verlobter Eric, der Alkoholiker, war auf jeden Fall weitaus spannender. Ebenso wie das Gefühlsleben von Fitz, obwohl ich seine dümmliche Schwärmerei für Delia ziemlich erbärmlich fand. Er liebt sie, kann ihr das aber nicht sagen, weil er sie dann vielleicht komplett verlieren könnte. Stattdessen begnügt er sich seit Jahren mit der Rolle des "besten Freundes". Riskiert aber für die Frau wirklich alles. Eric handelt genauso. Delia will etwas, okay ich springe! Beide Männer tanzten nur nach ihrer Pfeife - und wehe wenn nicht. Dann straft sie den jeweiligen Mann einfach mit Nichtbeachtung - der Todesstoß für beide. Das machte mir Delia auch nicht sympathischer... Die beiden waren dennoch Persönlichkeiten, die (wenn es nicht gerade um ihre Traumfrau ging) rational und verständlich gehandelt hatten.

Für meinen Geschmack wurden definitiv zu viele Geschichten behandelt. Es gab sicherlich eine gewisse Struktur dahinter, dennoch war es teilweise recht wirr aufgrund von Erinnerungen, die den Leser in die Vergangenheit führten. Natürlich durften diese nicht fehlen, ich habe wirklich überhaupt nichts gegen Rückblenden! In diesem Fall waren sie jedoch teilweise zu ausführlich, ab und an sogar überflüssig. In jedem Fall wurde der Fortgang der Handlung gestört.
Ich glaube, dass die Autorin einfach zu viel erzählen wollte. In diesem Buch stecken so viele Einzelschicksale, mit denen man locker eigene Bücher hätte füllen können.
Zwei Beispiele: 
Ihr Vater landet bis zum Prozess im Gefängnis. Dort erlebt er verständlicherweise ein paar weniger schöne Dinge. Alles kein Problem - aber muss man nun die Geschichte mehrerer anderer Häftlinge auch noch erfahren? Meiner Meinung nach nicht - das ist einfach nicht relevant und am Thema vorbei. Wenn sie gerne ein Buch über die Gefangenschaft schreiben möchte, soll sie das tun. Wäre sicherlich eine gute Story (zumindest die Parts in diesem Buch waren sehr interessant), aber hier ging es um Kindesentführung.
Die Geschichte um die Indianerin Ruthann war völlig überflüssig. Vielleicht um Delias Wurzeln mütterlicherseits auch noch irgendwie in das Buch zu packen, aber in dem Ausmaß unnötig.  War wirklich interessant, woran das Volk der Hopi so glaubt - aber auch das könnte ein eigenes Buch füllen.

SPOILER - die "Wahrheit" (ca. Seite 196/550) Ihr könnt entscheiden. Finde es wichtig für die Richtung des Buches, man kann es sich eigentlich auch schon zeitnah denken:
Ihr Vater hatte sie entführt, da die Mutter alkoholkrank war. Ich fand, dass dies zu sehr der heutigen Geschichte von Delia geähnelt hat... Delias Tochter ist 4 Jahre alt und ihr Verlobter Eric  EBENFALLS Alkoholiker. Genau wie dessen Mutter.  Delia war lange vermisst, ihr Beruf: Vermisste Personen aufspüren...
Zu viele Parallelen für mich. Zu auffällig und offensichtlich, um realistisch zu sein. Irgendwie plump.

Fazit:
Wenn es euch gefällt, dass ein Buch sehr viel mehr als die Hauptgeschichte zu bieten hat, klare Empfehlung von mir. Für mich war es jedoch einfach überladen und teilweise gefielen mir starke Parallelen (s. Spoiler) überhaupt nicht.

 


Infos zum Buch:

Samstag, 13. Juli 2013

[Rezension] "Neunzehn Minuten" von Jodi Picoult

Inhalt:
Neunzehn Minuten. Genau so lange dauerte der Amoklauf von Peter Houghton an der Sterling High. Doch das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte. Wie kam der Siebzehnjährige dazu, auf seine Mitschüler zu schießen? Er selbst überlebt und muss sich nun vor einem Gericht verantworten. 
Die Tochter der Richterin Alex Cormier, Josie, war auch in der Highschool, als es passierte. Josies Freund wurde getötet, doch sie kann sich an nichts mehr erinnern. Alex ist sich nicht sicher, ob das vielleicht ein Segen ist.

Erster Absatz (es muss hier einfach etwas mehr sein):
"In neunzehn Minuten kann man den Rasen vor dem Haus mähen, sich die Haare färben, Brötchen backen, sich vom Zahnarzt eine Füllung machen lassen oder die Wäsche für eine fünfköpfige Familie zusammenlegen.
Neunzehn Minuten dauert die Fahrt mit dem Auto von der Grenze Vermonts nach Sterling in New Hampshire. In neunzehn Minuten kann man einem Kind eine Gutenachtgeschichte vorlesen oder einen Ölwechsel machen lassen. Man kann eine Meile gehen. Man kann einen Saum nähen.
In neunzehn Minuten kann man die Welt anhalten oder einfach von ihr abspringen.
In neunzehn Minuten kann man Rache nehmen."

Meine Meinung:
Besonders auffällig ist, dass aus Sicht wahnsinnig vieler Personen geschildert wird. Gerade zu Beginn des Buches. Das hatte mir zunächst einen kleinen Dämpfer verpasst. War nicht direkt genervt, aber ein wenig gestört hat es mich schon. Man kommt so am Anfang ziemlich durcheinander, finde ich. Das legte sich aber recht schnell wieder. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut. Meine Gedanken kreisten immer wieder zu dem Buch zurück. Irgendwie musste ich wissen, wie es weitergeht. Und das obwohl der "spannende" Teil, also der Amoklauf, ja eigentlich schon lange vorbei war. Gelangweilt hat mich das Buch nie.

Die wichtigsten Protagonisten waren Alex und Josie Cormier, wobei ich auch Peter als Hauptprotagonisten bezeichnen würde. Alex ist Richterin und wirklich gut in ihrem Job. Mit ihrer Tochter kommt sie hingegen nicht so gut klar. Sie liebt sie sehr, aber in der Mutterrolle scheint sie doch eher zu versagen. Josie fühlt sich ziemlich allein. Sie ist zwar beliebt, seit sie nicht mehr mit Peter befreundet ist, aber eigentlich verstellt sie sich die ganze Zeit nur. Irgendwie sehnt sie sich danach, einfach sie selbst sein zu dürfen. Doch das würde bedeuten, ihre Beliebtheit aufzugeben. Für den Teenager ein Preis, den sie nicht bereit ist zu zahlen. Dass ihr fester Freund Matt und auch alle anderen Mitglieder der "coolen Clique" auf Peter herumhacken, ihn bei jeder Gelegenheit erniedrigen, hasst Josie. Doch sie hat einfach nicht den Mut, sich für ihn einzusetzen. Ich fand ihren Charakter wirklich interessant. Jeder, der schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen ist, dürfte das zumindest im Ansatz nachvollziehen können. Peter ist ein geschlagener Hund. Einerseits kann man ihn nicht mögen - er hat zehn Jugendliche kaltblütig erschossen, neunzehn weitere teilweise schwer verletzt. Doch auf der anderen Seite wurde er seit seiner Zeit in der Vorschule nur gequält. Er war schon immer etwas anders, ein sensibler und netter Junge. Hierzu möchte ich Jodi Picoults letzten Satz ihrer Danksagung zitieren:
"Und ganz zum Schluss möchte ich den Tausenden von Kindern da draußen, die ein bisschen anders, ein bisschen ängstlich, ein bisschen unbeliebt sind, sagen: Dieses Buch ist für euch."
Erzählt wird nicht nur von der Tat selbst. Insbesondere legt die Autorin ein großes Augenmerk auf den Täter selbst, seine Geschichte, sein Leidensweg wenn man so möchte. Das war wirklich interessant. Auch die Rückblicke betreffend Josie. Denn sie war damals, als sie Kinder waren, Peters einzige und beste Freundin.

Fazit:
Ein wirklich gutes Buch, das zum Nachdenken anregt. Da ich am Anfang aufgrund der Vielzahl der Charaktere erst nicht so gut reinkam, muss ich einen Wurm abziehen. Es ist aber eine absolute Leseempfehlung von mir.




Infos zum Buch:

Donnerstag, 20. Juni 2013

Jede Menge Jodi

Ich konnte mich nicht beherrschen: Habe bei meiner Tauschbörse 3 Jodi Picoult Bücher ertauscht, für den unschlagbaren Preis von 1 1/2 Tickets - also jeweils 2 Bücher für ein Ticket. Das vierte Buch war ein Frauenroman für meine Omi ("Im Land des roten Ahorns"). Sie liebt diese Auswanderstorys.
Auf dem Bild seht ihr:
1. "Die Wahrheit meines Vaters"
2. "Die einzige Wahrheit"
3. "Die Wahrheit der letzten Stunde"
Ihr merkt, ich bin auf einem Wahrheitsfindungstrip. :)
Bisher habe ich nur "19 Minuten" von Jodi Picoult gelesen und es hat mich total umgehauen. Fand es wirklich super. Sehr fein geschrieben und spannend bis zur letzten Seite. (Rezi folgt... *räusper*) Wie steht ihr zu Jodi Picoult?