Dienstag, 23. Oktober 2012

"A long way down" von Nick Hornby


Inhalt:
Vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, haben am Silvesterabend alle dasselbe Ziel: Sich in den Tod zu stürzen. Und das auch noch von demselben Gebäude... Alle vier haben - wie sie glauben - einen sehr guten Grund, sich das Leben zu nehmen. Doch die Anwesenheit der anderen stört sie in ihrem Tun. Gemeinsam beschließen sie, es erst einmal zu lassen und stattdessen den "Grund" der achtzehnjährigen Jess aufzusuchen, ihren Exfreund.

Cover:
Sehr schlicht - und doch hat es mich angezogen. Die Leiter hat übrigens tatsächlich einen Sinn: Das Gebäude, von welchem sich die vier schmeißen wollen, ist gesichert (kam schon öfter vor dort...). Martin brachte daher eine Leiter mit, um über die Absperrung zu kommen.

Erster Satz:
"Martin: Ob ich es erklären kann, warum ich von einem Hochhaus springen wollte?"

Stil:
Das war mein erstes Buch von Nick Hornby und ich finde seinen Schreibstil einfach toll! So ironisch, witzig und klug. Einfach großartig.
Erzählt wird aus Sicht der vier Protagonisten Martin (ein intelligenter Fernsehmoderator), Maureen (eine Mittfünfzigerin, die ein wenig prüde und unglaublich liebenswürdig ist), Jess (ein verzogenes Mädchen, das spricht, als käme es direkt aus der Gosse) und JJ (ein Amerikaner, der in England Pizzen ausfährt?!) - immer im Wechsel. Hierbei änderte der Autor auch seine jeweilige Schreibweise. So wird man bei den Episoden von Jess niemals wörtliche Rede finden (diese Anführungsstriche fand sie ja schon immer ziemlich blöde...) und Maureen würde niemals ein Schimpfwort in den Mund nehmen.  Die Vier erzählen die Geschichte aus ihrer eigenen Sicht. So erfährt man manche Dinge zwar doppelt, aber durch die unterschiedlichen Sichtweisen bleibt es dennoch sehr interessant. Sympathisch waren mir alle vier, obwohl Jess wirklich sehr nervig ist. Das ist eben ihre Art!

Die Geschichte lebt von ihren Charakteren. Und diese sind einfach gut herausgearbeitet. Jeder hat seine eigene Geschichte. Man könnte es jetzt pietätlos finden, über Selbstmord einen Unterhaltungsroman zu schreiben. Aber der Autor schafft es, den Leser mit einem positiven Gefühl zurück zu lassen. Und das obwohl die Protagonisten ihr "Ziel", also den eigenen Tod, sehr lange nicht aufgeben. Aber ich will mal nicht zu viel verraten :)

Fazit:
Ein wirklich großartiges Buch, das ich jedem ans Herz legen kann. Klar, werden negative Gedanken (Todeswünsche) bearbeitet - aber es ist dennoch  so schön geschrieben, dass ich manchmal mit einer Träne im Auge loslachen musste. Ich liebe solche Bücher!
Diese Menschen bemitleiden sich selbst, genauso ist es. Aber sie machen es einem einfach, sie irgendwie trotzdem zu mögen. 


ZITATE:

Ich muss den ersten Satz einfach weiterführen - der Anfang ist einfach toll:

Martin:
"Selbstverständlich kann ich erklären, warum ich von einem Hochhaus springen wollte. Ich bin ja kein Vollidiot. Ich kann es erklären, weil es nicht unerklärlich ist:  Es war eine logische Entscheidung, das Ergebnis reiflichen Nachdenkens. Wenn auch wieder nicht allzu ernsthaften Nachdenkens. Damit meine ich nicht, dass es eine reine Schnapsidee war - das soll bloß heißen, es war nicht so schrecklich kompliziert, dass ich lange hin und her überlegen musste."
Seite 9

Maureen:
"Ich habe ihm gesagt, ich ginge zu einer Silvesterparty. Im Oktober habe ich es ihm gesagt. Ich weiß nicht, ob Leute im Oktober schon Einladungen zu Silversterpartys verschicken. Wohl eher nicht. (Woher sollte ich es wissen? Ich bin seit 1984 auf keiner mehr gewesen. [...]) Aber ich konnte es nicht länger für mich behalten."
Seite 10

Jess:
"Ich war bei einer Party ein tiefer in der besetzen Wohnung. Die Party war beschissen, alles nur uralte Crusties, die auf dem Boden rumsaßen, Cider tranken, riesige Joints qualmten und sich so schrägen, abgedrehten Reggae anhörten. [...] Man hätte als glücklichster Mensch von ganz London zu der Party kommen können und hätte fünf Minuten nach Zwölf auch vom Dach springen wollen"
Seite 13

JJ:
"Ich hab einer ganzen Reihe von Leuten von dieser Nacht erzählt, und das Schräge ist, dass sie den Selbstmord eher nachvollziehen können als das mit der Pizza."
Seite 38

Kommentare:

  1. Ich mochte das Buch auch sehr! Nick Hornby schreibt immer wieder toll.

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  2. ich kenne von nick hornby nur "how to be good" ... fand ich nur mäßig, aber vielleicht sollte ich ihm noch eine zweite chance geben...

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  3. Ja, liebe Fashionjules, gib Nick noch eine Chance :)
    Also ich würde definitiv noch mehr von ihm lesen wollen!

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